Krach in Katalalonien – Und was ist mit Westfalen?

(08.10.17) In Katalalonien spitzt sich der Unabhängigkeitskonflikt zu. Aber wie steht es um den Freiheitskampf der Westfalen? Antworten liefert das brandaktuelle Buch von Erwin D. Drüggelte. Mit „Befreit Euch!“* legt er pünktlich zur Franfurter Buchmesse ein Plädoyer für ein unabhängiges Westfalen vor. Im Exklusivinterview mit Satzverstand erläutert der Tiefenhistoriker, worum es ihm geht.

 

Herr Prof. Drüggelte, man hört so gar nichts mehr von der westfälischen Freiheitsbewegung? Hat sich das Thema erledigt?

Drüggelte: Selbstverständlich nicht. Westfalen denken lediglich in anderen Zeitkategorien. Die Sonne implodiert ja erst in einer Milliarde Jahren. Unsere Zeit kommt schon noch.

Aber Ihr Buch „Befreit Euch!“ darf man schon als Aufruf zum Aufstand verstehen?

Nicht im wörtlichen Sinn. Mir geht es zunächt um die geistige Befreiung aus rheinischer Umklammerung. Seit uns die Briten 1946 mit diesem unsäglichen Bindestrich an Nordrhein gekettet haben, arbeiten wir uns unentwegt an den Rheinländern ab, statt uns auf eigene Stärken zu konzentrieren.

Inwiefern?

Bestes Beispiel ist unser wunderbares Westfalenlied. Es beginnt mit dem Satz „Ihr mögt den Rhein, den stolzen preisen…“. Erst danach besingen wir die unermessliche Hochkultur Westfalens. Davon müssen wir uns befreien. Westfalen ist der weltweit größte Produzent von Schreibtischrollcontainern in Lichtgrau. Zwei von drei in Deutschland verkauften Küchen kommen aus Ostwestfalen! Steinhäger hat 33,2 Prozent mehr Alkohol als Kölsch. Westfalens Freiheit beginnt im Kopf!

Damit begraben Sie doch nicht etwa alle Forderungen nach einem politisch unabhängigen Westfalen?

Natürlich nicht! Das Votum des Unabhängigkeitsreferendums von 9 nach Christus hat Bestand. Damals haben sich 92,6 Prozent der Präwestfalen für einen eigenen Staat ausgesprochen. Leider hat sich die Unabhängigkeitserklärung durch eine zwischenzeitliche Völkerwanderung und ein paar andere unerquickliche historische Ereignisse deutlich verzögert. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Was heißt das konkret?

Seit einiger Zeit laufen Sondierungsgespräche zwischen Nordwestfalen, Südwestfalen, Westostwestfalen, Nordostwestfalen, Westwestfalen und Südostwestfalen. Das sind die regionalen Nachfolger der Cherusker, Chauken, Brukterer, Marvinger, Marser und Angrivarier. Politisch sind sich alle einig, aber leider gibt es erhebliche Schwierigkeiten, einen gemeinsamen Termin für den Aufstand zu finden.

Warum ist das so schwierig?

Frankreich und die USA sind die besten Beispiele dafür, dass man eine auch unter touristischen Gesichtspunkten nachhaltige Revolution am besten im Sommer veranstaltet. Die anfängliche Begeisterung in Deutschland für Novemberrevolutionen hat sich ja schon deutlich abgekühlt. Für Westfalen kommt deshalb nur eine Sommerrevolution in Frage. Die darf aber nicht in die Schulferien fallen und sie muss mit dem umfangreichen Schützenfestkalender abgestimmt werden. Sonst kommt am Ende keiner. Bei 789 Einzelschützenfesten plus Kreis- und Bezirksschützenfeste zuzüglich Bundes- und Europaschützenfest ist das aber ausgesprochen schwierig. Bis 2026 sind bereits alle Wochenenden zwischen Ende April und Anfabg Oktober verplant.

Das hört sich nicht gut an für den Freiheitskampf.

Es gibt Hoffnung. Dem Arbeitsauschuss Aufstand ist es gelungen, das dritte Augustwochenende 2027 als Scheidungstermin zu blocken. Dann jährt sich zum 1250. Mal der erste Reichstag Karls des Großen in Paderborn. Damals haben führende Westfalen dem Frankenkönig eine lange Nase gezeigt.

Printen-Charly war ja auch nicht gerade ein Freund der Westfalen…

Ein Rheinländer halt. Aber da schließt sich der Kreis zu Katalalonien. Karl hatte damals schwer Ärger in Spanien. Das war der Startschuss für den Sachsen-Aufstand unter Herzog Widukind auf dem Gebiet des heutigen Westfalen. Damals ist der Aufstand leider gescheitert. Aber inzwischen haben wir mit Armin Laschet ja wieder einen „Landesvater“ aus Aachen. Das ist schon rein symbolisch ein schöner Anlass für das ausstehende Rückspiel.

 

*Erwin D. Drüggelte: Befreit Euch!
255 Seiten mit 15 Aquarellen und 4 Holzschnitten;
Edition Langzeitgeschichte, Westostwestfalenverlag;
Limitierte 1. Auflage, Oktober 2017.
WOWI
SBN: 9-783-4712-0716

 


© Satzverstand Oktober 2017

  3 comments for “Krach in Katalalonien – Und was ist mit Westfalen?

  1. Friedemann
    16. Oktober 2017 at 13:22

    Ein entscheidender Startpunkt wird sein, zunaechst ad hoc und im Voraus die naechsten fuenf Anschlaege fuer die WFF (Westfaelische Freiheitsfront) zu beanspruchen, damit das ganze ueberhaupt zu einem im Rheinland wahrgenommen Thema wird.

  2. Wombel
    11. Oktober 2017 at 13:34

    Jetzt macht’s nicht unnötig kompliziert. Unabhängigkeitserklärung unterschreiben und gleichzeitg auf unbestimmte Zeit aussetzen. Die allgemeine Verwirrung dann nutzen (Was denn jetzt – drinnen oder draußen?), um bis zum voraussichtlichen Scheidungstermin im August 2027 Brüsseldorf durch fortgesetzt widersprüchliche Signale zu zermürben und so für eure Maximalforderungen gefügig zu machen. Fertig ist der Westfexit.
    Sturmfest-erdverwachsene Grüße aus der niedersächsischen Nachbarschaft!

    • torotext
      11. Oktober 2017 at 13:43

      Prima Plan! Den leite ich gleich an die Rädelsführer weiter!!

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