Drüggelte reloaded – Radiologie (2)

Erwin D. Drüggelte leistet auf vielen Gebieten Grundlagenforschung. „Drüggelte reloaded“ dokumentiert Auszüge seiner vordigitalen Radiologie-Vorlesungen am Hellweg-Hertz-Institut für lokalradiologische Studien und Praxis in Soest.

Radiologie (2):
Wo bleiben die Radiowellen?

Das Leben besteht vor allem aus Gedanken, die wir uns nicht machen. Oder haben Sie sich schon einmal ernsthaft gefragt, was mit Radiowellen* passiert, wenn Sie Ihnen durch den Kopf gegangen sind?

Die Radiologie vereint Aspekte der Physik mit der menschlichen Biologie. Denn das Radiohören ist allein Lebewesen möglich, die über zwei Höröffnungen verfügen: Eingangsohr und Ausgangsohr.

Hat eine Schallwelle das Eingangsohr passiert, kopiert das UKW-Zentrum im Temporallappen unseres Cortex im Bruchteil einer Nanosekunde die darauf gespeicherten Informationen. Die Radiowelle entweicht durch das Ausgangsohr und der Vorgang wiederholt sich bei allen Menschen, die der Welle im Weg stehen.

Hätte die Natur uns nicht trefflich mit zwei Ohren versorgt, würde sich eine Radiowelle schon im erstbesten Kopf totlaufen. Die Weltradioorganisation URadiO wirbt deshalb unermüdlich für penible Ohrhygiene. Schon geringe Mengen Ohrenschmalz oder andere Verunreinigungen des Gehörgangs verzögern den Kommunikationsfluss deutlich.

Kräftige Radiowellen können die Erde mehrfach umrunden. Wer sich längere Zeit nicht bewegt, wird ein zweites Mal oder drittes Mal von einer solchen Dauerwelle getroffen. In der Regel blendet unser kluges Gehirn diesen Doppler-Effekt aus. Wertet das UKW-Zentrum jedoch in seltenen Fällen den Schall ein zweites Mal aus, stellt sich das bekannte Gefühl ein „Das habe ich doch schon mal irgendwo gehört“.

Doch auch Dauerwellen machen spätestens nach 896,698 Millionen Gehirnquerungen schlapp. Dann droht der sprichwörtliche Wellensalat. Deshalb werden abgenutzte oder von der Umlaufbahn abgekommene Wellen über ein kompliziertes Schaltkreisverfahren in die nächstgelegene Hochspannungsleitung eingespeist und in eine von bundesweit elf Wellenwiederaufbereitungsanlagen geleitet.

Ein Großteil der Radiowellen kann dort durch ein elektromagnetisches Impulsverfahrens aufgefrischt werden. Recyclingwellen eignen sich auf dem bisherigen Stand der Technik aber nur für Wiederholungen. Sie werden deshalb vor allem von Privatsendern, aus Kostengründen aber zunehmend auch vom öffentlich-rechlichen Rundfunk eingesetzt.

Um ein geeignetes Endlager für ausgediente Radiowellen hat es in den 80er Jahren erbitterte Auseinandersetzungen gegeben. Gegen die Verwendung sauerländischer Tropfsteinhöhlen als Ausklingbecken gab es jahrelange, teils gewalttätige Proteste. Bund und Länder haben sich deshalb 1991 für den Bau eines zentralen Wellenentschleunigers (ZWE) unter dem Möhnesee im südlichen Kreis Soest entschieden.

Für umgerechnet 34 Millionen Euro wurde von 1992 bis 1994 ein 122 Kilometer langes verschachteltes Röhrensystem unter dem See gebohrt. Darin können bis zu 28 Milliarden Sendestunden gleichzeitig und nahezu rückstandsfrei ausklingen. 150 Meter unter der Wasseroberfläche werden inzwischen Kurz-, Mittel- und Langwellen aus Deutschland, aus Frankreich, aus den Benelux-Staaten sowie die besonders hartnäckigen Donauwellen aus Bayern unsichtbar entsorgt. Mit der Abklingenergie wird im harten westfälischen Winter der Eisbrecher auf dem Möhnesee klimaneutral angetrieben.

© Satzverstand November 2017

 

*Zum Zeitpunkt der Vorlesung beschäftigte sich die Radiologie vornehmlich mit analoger Wellentechnik. Die mit der zunehmenden Digitalisierung einhergehende Vervielfachung und Verdichtung elektrischer Impulse in unserer täglichen Umgebung ist Gegenstand einer noch laufenden Langzeitstudie von Prof. Erwin D. Drüggelte. Mit ersten Zwischenergebnissen ist Anfang 2018 zu rechnen.

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