Wenn Physik auf GroKo trifft

(26.01.18) Ausgerechnet in diesen Tagen, da sich die SPD auf ihrem Kreuzweg zur nächsten Golgatha-Koalition quält, entdecken Astronomen im Kugelsternhaufen NGC 3201 ein neues Schwarzes Loch. Das Ding hat die vierfache Masse unserer Sonne und zeichnet sich dadurch aus, dass es keinerlei Aktivität zeigt.

Aufgestöbert haben die Astrophysiker das Phänomen nur dank seiner Anziehungskraft. Alles ziemlich kompliziert. Einfach gesagt: Das schwarze Loch wurde entdeckt, weil es einen bedauernswerten Stern permanent auf Trab hält.
Der Kollege gibt alles, um Abstand zu halten, wird aber magisch angezogen und im Widerstreit der Gefühle mit einer Geschwindigkeit von mehreren hunderttausend Kilometern pro Stunde hin und her geschleudert. 167 Tage dauert so eine Tort(o)ur, haben die Sternengucker ausgerechnet. Das entspricht in etwa der momentanen Frequenz von SPD-Parteitagen.

Ein schwarzes Loch ohne erkennbare eigene Aktivitäten, aber mit magischer Anziehungskraft. Eine Lichtgestalt, die ins schwer Schleudern gerät und mit aller Kraft dagegen kämpft, auf Nimmerwiedersehen in einem schwarzen Nichts zu verschwinden. Astrophysik trifft auf GroKo.

Wie wir alle wissen, hat sich unsere geschäftsführende Bundeskanzlerin ihren Doktortitel mit der Untersuchung des Mechanismus von Zerfallsreaktionen mit einfachem Bindungsbruch und Berechnung ihrer Geschwindigkeitskonstanten auf der Grundlage quantenchemischer und statistischer Methoden hart erforscht.
Könnte es sein, dass Frau Doktor schon lange keine Lust mehr auf Politik hat? Stattdessen testet sie in einem Langzeitfeldversuch ihre quantenchemische Anziehungskraft auf SPD-Kanzlerkandidaten und analysiert die Geschwindigkeitskonstante des durch Wählerbindungsbruch beschleunigten Zerfalls der Sozialdemokratie. Der Physik-Nobelpreis fehlt ihr schließlich noch.

Bei der politischen Analyse hilft evidenzbasierte Astrologie. Martin Schulz wurde als temperamentvoller und energiegeladener Schütze geboren: freiheitsliebend, weltoffen, abenteuerlustig. Doch leider fiel seine Geburt nach dem global immer wichtiger werdenden chinesischen Horoskop ins Jahr des Schafes.

Angela Merkel dagegen kam als Krebs im Jahr des Pferdes zur Welt. Krebse entsprechen nach verlässlicher Auskunft des Fachportals sternenregister.de dem mütterlichen Archetypen: fürsorglich, umsorgend, häuslich. Einerseits empathisch, aber auf der anderen Seite „mit einem besonderen Gespür für die emotionalen Schwachpunkte ihrer Umgebung“. Und weiter heißt es – kein Witz: „In ihren Methoden sind Krebse daher auf der psychologischen Ebene sehr subliminal* und wirkungsvoll unterwegs.“

Wäre nicht auch Horst Seehofer ein Krebs, man könnte glatt zur Astrologie konvertieren. Anders gesagt: Das Schicksal der SPD steht wieder einmal unbarhmerzig in den Sternen.


© Satzverstand Januar 2018

Die spannenden Infos über das echte, vermutlich eher unpolitische Schwarze Loch stammen vom Institut für Astrophysik der Fakultät für Physik Georg-August-Universität Göttingen.

* Wieder ein tolles Fremdwort gelernt: subliminal = unterschwellig.

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