Coronakrise: Dramatische Folgen auch für die Hundeschulbildung

Durch die Coronakrise sind auch die Hundeschulen in fast allen Bundesländern geschlossen. NRW lässt jetzt leichte Lockerungen zu. Ab dem 21. April darf zunächst der Abschlussjahrgang wieder in die Hundeschule.

Doch der lange Unterrichtsausfall dürfte nicht ohne Folgen bleiben. Verlieren Deutschlands Kläffer durch die Coronakrise den Anschluss an internationale Standards? Fragen an Prof. Erwin D. Drüggelte vom Institut für Haustierbildungsforschung an der Westostwestfalenuniversität Mönninghausen-Bönninghausen (UMöBö).

Herr Prof. Drüggelte, wie wirkt sich die Coronakrise auf die Hundebildung in Deutschland aus?

Drüggelte: Dramatisch. Viele Hunde dürften in den letzten Wochen komplett vergessen haben, was sie bis zum Wau-Down Mitte März gelernt haben. Ich fürchte, bei den meisten Hunden müssen wir ganz von vorn beginnen. Das betrifft insbesondere die MINT-Fächer, in denen sich vor allem Dackel, Mops und Riesenschnauzer traditionell schwer tun. Die Coronakrise trifft uns in einer Situation, in der es um das Ausbildungsniveau von Canis lupus familiaris, dem Gemeinen Haushund, ohnehin nicht zum Besten bestellt ist.

Inwiefern?

Drüggelte: Im vergangenen Jahr haben bei uns insgesamt 237.346 Hunde eine reguläre Ausbildung begonnen. Davon haben knapp 162.000 die Ausbildungseinrichtung ohne Abschluss verlassen. Nur 37.124 Hunde haben einen Bellschelor-Abschluss geschafft. Das sind gerade einmal 15,6 Prozent. In einem der reichsten Länder der Welt scheitert jeder vierte Kläffer in der Hundeschule. Ein Armutszeugnis!

Wie steht Deutschland mit diesen Zahlen im internationalen Vergleich da?

Drüggelte: Schlecht. In Finnland haben fast 60 Prozent der Hunde Bellitur, was in etwa unserem Bellschelor entspricht. In Belgien sind es 55 Prozent, in Österreich noch etwa 40 Prozent. Was die Haushundebildung angeht, liegt Deutschland auf Platz 145 – hinter Papua-Neuguinea, allerdings noch deutlich vor den USA. Einzig die überdurchschnittlichen Fähigkeiten der Westfälischen Dachsbracke in den Fächern Quantenphysik und Philosophie haben 2019 ein noch schlechteres Abschneiden verhindert.

In NRW dürfen ab dem 19. April Hundeschulen zumindest für den Abschlussjahrgang öffnen. Ein Hoffnungsschimmer?

Drüggelte: Zu wenig und zu spät. Die Durchfaller-Quote wird in diesem Jahrgang immens sein. Nur einige wenige hochbegabte Hunde dürften ihren Bellschelor machen. Das ist besonders tragisch, denn Canis lupus familiaris gehört weder zur COVID-19-Risikogruppe, noch überträgt er nach dem derzeitigen Stand der Drostologie das Virus. Viele Kinder und Jugendliche hätten davon profitiert, wenn die Politik es den Hunden erlaubt hätte, weiter zur Schule zu gehen und das Gelernte daheim weiterzugeben. Das hätte auch viele mit dem Home-Schooling überforderte Eltern entlastet. Eine vertane Chance!

Aber können nicht auch Bello und Co. zu Hause lernen?

Drüggelte: Gute Frage, kurze Antwort: Wenn Frauchen oder Herrchen im Homeoffice Laptop und Smartphone in Dauerbeschlag nehmen und die Kids pausenlos PC und Glotze besetzen, hechelt der Hund halt am Ende der Bildungskette. Hier bleibt leider viel Potential ungenutzt. Zumal wir aus eigenen Studien wissen, dass in vielen Haushalten der Hund den IQ-Schnitt deutlich anhebt.

Welche Folgen hat das Hundeschuldesaster für den Arbeitsmarkt?

Drüggelte: Der Fachhundemangel wird sich extrem verschärfen und damit auch den Wettbewerb zwischen den Bundesländern anheizen. Bayern wirbt bereits massiv Polizeihunde aus Bremen und Nordrhein-Westfalen ab. Berlin hat für Drogenspürhunde den privaten Cannabiskonsum legalisiert. Und Thüringen will jetzt auch angehende Flughunde wieder verbeamten.

© Satzverstand – 18. April 2020

 

 

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