Marmeladenbrot mit NATO

img_6603(15.12.16) Das Jahr 2016 habe ich ja neulich schon verabschiedet. Aber so ist das nun mal mit Jahresrückblicken, die im Sommer gedruckt werden, damit sie rechtzeitig mit den ersten Spekulatius im Laden liegen: Das Beste kommt immer erst nach Redaktionsschluss. Mir ist das heute passiert. Ich kann mich nicht erinnern, dass es mir je schon einmal passiert ist. Ob es überhaupt je schon mal jemandem passiert ist – außer Ranga Yogeshwar natürlich.

Ich könnte es noch ein bisschen spannend machen, aber dazu bin ich auch Stunden danach immer noch viel zu aufgeregt. Ich mache es also kurz: Mir ist heute Morgen – beim zweiten Kaffee am Schreibtisch – ein warmer Toast mit wunderbarer Erdbeermarmelade direkt auf die Tastatur gefallen: MIT DER MARMELADENSEITE NACH OBEN. Nimm das, Physik!

Dieses tiefe Erlebnis – ja, ich schäme mich nicht, von einem vorweihnachtlichen Wunder zu sprechen – versöhnt mich kurz vor knapp dann doch noch mit diesem bescheidenen Jahr. Und es bestärkt mich in der inzwischen allgemein vorherrschenden Ansicht, dass momentan nichts bleibt, wie es hätte werden können. Sogar Marmeladenbrote wechseln die Seite.

Selbstredend ist eine einzige gelungene Erdbeermarmeladenbrotnotlandung kein tragfähiger Beweis im wissenschaftlichen Sinne.  Da muss schon ein bisschen mehr her. Kein Problem. Den ultimativen Nachweis, dass nichts mehr in die guten alten Schubladen passt, hat am 1. Dezember ein Rentner auf der CDU-Regionalkonferenz mit Angela Merkel in Münster geliefert. Sie wissen schon: da wo es entweder regnet oder die Glocken läuten.

Da steht dieses ältere (!) männliche (!!) CDU-Mitglied (!!!) in Münster (!!!!) auf und krächzt ins Mikro: „Ich habe keine Angst vor Russland. Ich habe Angst vor der NATO!“ Kein Witz, tatsächlich passiert. Den Radiobeitrag habe ich mir online viermal angehört. Beim ersten, zweiten und nach dem dritten Hören konnte ich es immer noch nicht glauben.

Die Welt ist endgültig aus den Fugen. Da hilft jetzt nur noch ein leckeres Erdbeermarmeladenbrot.

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