Endzeitstau

(26.04.17) Sicher haben Sie es neulich auch gelesen: Mit dem Sand aus der Sahara weht der Südwind den Tod über die Alpen: Bakterien, Keime, Pilze – das pure Verderben. Aber wie es sich gehört, haben wir eine anständige Endzeitalternative: Die Polumkehrung lockt nicht weniger tödliche Strahlung aus dem All.

Neu ist das nicht: Die Antarktis schult immer wieder mal zur Arktis um. Das erklärt plausibel, warum sich immer weniger Eisbären das Nordlicht auf den Pelz scheinen lassen. Die meisten haben sich längst auf die Tatzen nach Süden gemacht, zum neuen Nordpol. Aber das nur am Rande.

Wenn wir der einschlägigen Fachpresse* Glauben schenken dürfen, wird es jetzt aber mal echt ernst mit der Umpolung. In der Umkehrphase wird gefährliche kosmische Strahlung auf uns alle niederprasseln. Oder anders gesagt: Statt Twitter gibt´s Gewitter. Im Prinzip hat uns das bereits der Evangelist Johannes vor 1.947 Jahren insgeheim offenbart. Aber auch das nur am Rande.

Laut Forschung nordet sich die Erde „normalerweise“ alle 250.000 Jahre neu ein. Die letzte große Kompass-Rückrufaktion ist allerdings schon 780.000 Jahre her. Das lässt die Deutsche Bahn im direkten Verspätungsvergleich perfekt aussehen, ist aber zeitlich ein ziemlich grobes Raster, wenn man für die Herbstferien planen möchte.

Überhaupt: Was und vor allem wem soll man in diesen Zeiten glauben? Zum Beispiel Prof. Erwin K. Drüggelte! Der renommierte Astrogeologe von der Universität Mönninghausen-Bönninghausen (UMöBö) beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den unentschlossenen Polen. Jetzt liegen die Ergebnisse seiner aktuellen Non-Langzeitstudie vor. Und die sind in der Tat alarmierend.

In einem aufwendigen Magnetscherenexperiment hat Drüggelte über drei Tage hinweg penibel die Bewegungen des Erdmagnetfeldes gemessen. Die von der UMöBö zur Verfügung gestellten ersten Laborbilder (Fotos) zeigen eindrucksvoll, wie ein aus den Fugen geratener Erdkern nach Richtung sucht. „Wir konnten unter dem Protonenendoskop praktisch mit bloßem Auge beobachten, wie sich die Magnetschere innerhalb des Drei-Tage-Zeitraums extrem hin und her bewegt hat“, erläutert der Astrogeologe. „Die Lageenergie einer entmagnetisierten Vergleichswalnuss hat sich dagegen über 36 Stunden kaum verändert.“

Nach Darstellung Drüggeltes liegt das geologische Problem nicht – wie bisher von der Forschung angenommen – 3.000 Meter unter dem südlichen Afrika, sondern in einem Gebiet von rund 156 Quadratkilometern mit Kern in westostwestfälischem Tiefengestein: „Flüssiges Eisen hat sich von seinen Kernaufgaben entfernt und fließt etwa 1.700 Meter unterhalb der Bundesstraße 1 in Fahrtrichtung Dortmund.“

Diese Tiefenstörung hat bereits jetzt extreme Auswirkungen auf die regionale Infrastruktur. Nach Berechnungen Drüggeltes verursacht das vagabundierende Magma rund zwei Drittel der Staus in Nordrhein-Westfalen: „Der starke Erdmagnetismus lässt die Autos einfach am Boden kleben.“

Über den Pendler-Stau-Streit im laufenden NRW-Wahlkampf kann der Wissenschaftler deshalb nur müde lächeln: „Wenn Herr Lindner von der FDP behauptet, dass sich eher die Pole umkehren, als dass die SPD die Verkehrsprobleme im Land in den Griff bekommt, hat er damit absolut recht. Leider anders, als er denkt.“

Ironie der Geschichte: Ausgerechnet ein belächeltes DDR-Produkt könnte die vom Erdmagnetfeld verursachten Stauprobleme in NRW lösen. „Am Trabbi war so gut wie nichts aus Metall. Mit der Rennpappe würde der Verkehr hierzulande wieder flutschen“, lacht Experte Drüggelte.

Franz-Friedrich Berkenkemper vom Brieftaubenregionalverband Westostwestfalen (RegV 007 WOW) mag über die Magmakapriolen unter seinen Füßen überhaupt nicht lachen. Allein vom letzten Preisflug sind sieben seiner Top-Tauben nicht zurückgekehrt. „Meinen Champion hat ein Taubensportkamerad aus Island völlig außer Puste am Fuß von diesem Eyjafjallajökuweißderkuckuck gefunden. Und bei Kollegen aussem Verein sind schon die ersten Kaiserpinguine im Schlag aufgeschlagen. Die orientieren sich ja auch am Erdmagnetfeld. Diese vermalledeite  Polumkehrung macht unseren schönen Taubensport kaputt. Aber das interessiert die in Brüssel ja nicht.“


Die vollständige Polumkehrstudie von Prof. Erwin K. Drüggelte mit ergänzenden Empfehlungen zum alltagspraktischen Umgang mit wechselnden Erdmagnetfeldern erscheint demnächst.


© Satzverstand April 2017

 

*Kleiner Medienexkurs:
Den überaus interessanten Beitrag von „Spiegel online“ über die Magnetfeld-Analyse afrikanischer Lehmhüttenschichten konnte man nahezu inhaltsgleich schon vor einem Jahr auf „welt.de“ lesen. So habe ich es auch bei der Lokaleitung gelernt: Wenn einem partout keine Idee kam, hieß es: „Guck mal nach, was wir letztes Jahr geschrieben haben. Weiß doch eh keiner mehr“. Also: Nix wegwerfen. Gutes bleibt.

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