Schnell nachgefragt: Fachkräftemangel

(30.08.17) Am frühen Mittwochmorgen hat eine Studie des Forschungsinstituts Prognos aus Basel bei vielen Frühstücksdirektoren die Milch im Kaffee gefrieren lassen: 2040 könnten Deutschland 3,3 Millionen Fachkräfte fehlen! Noch handelt es sich um eine Konjunktivstudie. Doch das Horrorszenario könnte ganz fix in den Indikativ umschlagen. Deshalb drei schnelle Fragen an Prof. Erwin G. Drüggelte vom Institut der westostwestfälischen Wirtschaft (IWOW) in Bad Süppelte:

Macht es Sinn, überhaupt noch an Morgen zu denken?

Drüggelte: Denken ist grundsätzlich keine schlechte Sache. Aber in diesem Fall ist Handeln gefragt. Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen hat unerwartet schnell reagiert. Noch am heutigen Mittwoch wurde an allen Schulen des Landes der Mitte Juli aus bisher ungeklärten Ursachen abgebrochene Unterricht wieder aufgenommen. So will man das versiegende Fachkräftereservoir schnell und unbürokratisch auffüllen. Darüber hinaus werden am 31. August sogenannte iDötzchen einberufen, um eine eiserne Digitalisierungsreserve zu bilden. Andere Bundesländer, darunter Berlin, Bayern und Baden-Württemberg, wollen diesem Beispiel in Kürze folgen.

Was kann der Einzelne gegen den Fachkräftemangel tun?

Drüggelte: Große Unternehmen lagern längst in großem Stil Fachkräfte ein. Ich rate auch privat zur Vorratshaltung. Wer aktuell einen Wlan-Verleger, einen Diplom-Teilchenbeschleuniger, eine Energieanlageninstallateurin oder einen Endoprothesenreiniger im Haus hat, sollte dieses Potential langfristig an sich binden. Dazu reicht im Prinzip ein kleiner, abschließbarer und möglichst schalldichter Bereich im Souterrain oder Spitzboden des Hauses. Kleiner Tipp: Lagern Sie nur Fachleute ein, deren Frage „Brauchen Sie eine Rechnung?“ Sie mit Nein beantwortet haben. Korrekte Handwerker hinterlassen Spuren.

Wie kommt Prognos eigentlich auf 3,3 Millionen fehlende Fachkräfte?

Drüggelte: Da gibt es unterschiedliche Analysemethoden. Die Kollegen aus Basel halten sich traditonell an die Quersumme der deutschen Samstaglottozahlen des vorvergangenen Jahres. Dagegen berechnet mein Institut den westostwestfälischen Fachkräftemangelindex wowFMI über einen randomisierten Koeffizienten aus mittlerer Temperaturschwankung im Paderdelta, den Ergebnissen der Zuckerrüben-Session des Vorjahres und der durchschnittlichen Schusszahl beim Vogelschießen ausgewählter Schützenvereine. Nach unserer aktuellen Analyse werden 2040 in Westostwestfalen 17 Fachkräfte fehlen, darunter acht Fleischereifachverkäuferinnen, sechs Dieselmanipularmechatroniker und drei Diplom-Festnetzknüpfer. Das kann sich natürlich in anderen Regionen Deutschlands anders darstellen – insbesondere dort, wo es keine Schützenfeste gibt.

© Satzverstand August 2017

 

Das Thema Fachkräftemangel ist zu wichtig, um damit Schabernack zu treiben. Deshalb habe ich das Anliegen umgehend auch dem Postillon-Team ans Herz gelegt. Die Wirtschaftsredaktion des Nachrichtenblogs hat das Thema gewohnt nutzerorientiert aufbereitet. Danke!!
Ratgeber – Alles, was Sie über den „Fachkräftemangel“ wissen müssen

  4 comments for “Schnell nachgefragt: Fachkräftemangel

  1. Gröne Theo
    5. September 2017 at 16:07

    Ich glaube, die meiste Kraft fehlt im Fach Mangel. Wenn Sie heute ihre saubere Bettwäsche in die Mangel geben, dauert es oft Jahre, bis sie wieder abgeholt werden kann. Das ist Mangelwirtschaft vom Feinsten. Das kann auch Drüggelte nicht einfach so wegbügeln.

    • torotext
      5. September 2017 at 16:23

      Hallo Herr Gröne,
      vielen Dank für Ihren Hinweis. Tatsächlich haben wir der Mangelwirtschaft bei unseren Analysen zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Wir werden unser Rechenprogramm zügig um einen Heißmangel-Indikator erweitern. Nur am Rande: Bitte denken Sie beim nächsten Mangel-Besuch daran, Ihren Abholschein mitzunehmen. Sonst dauert es wieder Jahre….
      Ihr Erwin Drüggelte

  2. Stefan Schmökel
    2. September 2017 at 22:36

    Ich fühle mich diskriminiert, ja eigentlich schon gemobbt! Ich bin eine Fachkraft und in meiner Firma mangelt es nicht an mir. Außer zum Feierabend, am Wochenende, im Urlaub…

    Stefan

    • torotext
      3. September 2017 at 1:18

      Sehr geehrter Herr Schmökel,
      nichts liegt uns ferner, als Fachkräfte zu diskriminieren, geschweige denn zu mobben. Das Gegenteil ist der Fall: Seien Sie gehegt und gepflegt. Allerdings muss hier die Frage erlaubt sei, warum Sie von Feierabend, Wochenende und sogar Urlaub sprechen. Bitte schauen Sie noch mal ins Kleingedruckte Ihres Fachkraftvertrages.
      Ihr Erwin D. Drüggelte
      (Institut der westostwestfälischen Wirtschaft)

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