Mein letztes Angebot: 721 Euro für AirBerlin

(15.09.17) Ja, es stimmmt. Ich will AirBerlin haben. Kurz vor Ende der Bieterfrist um 14 Uhr habe ich am Freitagmittag mein Übernahmeangebot abgeschickt. 721 Euro biete ich für die Fluggesellschaft – bar auf die Kranichkralle. Dafür verzichte ich im Gegenzug auf alle meine Gläubigeransprüche in gleicher Höhe.

Zugegeben: Das ist ein überschaubares Angebot. Aber im Gegensatz zu den vagen Millionen-Versprechen dubioser Luftpiraten ist es konkret und absolut ehrlich gemeint.

Natürlich hätte ich mir denken können, dass was faul ist, als die Pleiteflieger mir Ende Juli nach wiederholten Chaostagen zu Lande und in der Luft für meine Regressansprüche in Höhe von 577,80 gleich 143,20 Euro mehr angeboten haben, wenn ich mich für Fluggutscheine entscheide. Aber musste ich ahnen, dass Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft nur auf meinen Regressverzicht gewartet hat, um Insolvenz anzumelden. Jetzt stehe ich auf Platz 1.456.798 der Gläubigerliste. Super.

Selbstverständlich kann ich mit einer Fluggesellschaft nichts anfangen. In unserem Garten kann selbst ein Hubschrauber nur mit sehr viel Geschick landen. Wenn ich also den Zuschlag erhalte, stelle ich die Klitsche gleich bei eBay ein. Ein einziger Slot, wie wir Luftsportfreunde die Start- oder Landerecht an einem handelsüblichen Airport nennen, bringt momentan locker 5.000 Euro.

Das ist leider nichts gegen den aktuellen Marktwert der AirBerlin-Schokoherzen, die es jahrelang nach jedem Flug beim Aussteigen gab. Die sind auf diversen Auktionsplattformen inzwischen zusammengenommen vier Mal so viel wert wie das ganze Unternehmen.

Mit einer sorgfältig antrainierten Fingerübung habe ich mir immer zwei Herzen aus dem Körbchen geangelt. Eins habe ich mir selbst gegönnt. Das andere habe ich abwechselnd Frau und Kind oder netten Kolleginnen in Berlin geschenkt. So gesehen habe ich in den letzten sieben Jahren ein Millionenvermögen verschnuckert und verschleudert.

Jetzt habe ich erfahren, dass die nette Kollegin M. meine süße Gabe gar nicht spontan verputzt, sondern erst einmal in ihrer Schreibtischschublade verklappt hat. Zwischen Tempos, Tesafilm und Tampons oder was Frauen sonst noch so dort lagern.

Weggeworfen hat sie mein Herz jedenfalls nicht. Denn jetzt steht es als angeblich „brandneu“ für den Schnäppchenpreis von 9.999.999,99 Euro bei eBay zum Verkauf (siehe Beweisfoto). Dann noch sechs Euro für den Versand zu berechnen, finde ich persönlich ein bisschen kleinlich. Ein klitzekleines schlechtes Gewissen scheint M. offensichtlich doch zu haben. Denn im Erfolgsfall will sie mich bei Gelegenheit mal zum Essen einladen. Ist das nicht lieb?! Ich könnte heulen…

© Satzverstand September 2017

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