Wahlnachsorge (1): Wir geben Ihren Sorgen ein Gesicht!

(09.10.17) Warum wählen Menschen AfD? An dieser Frage arbeiten sich jetzt Scharen von Experten ab. Dabei ist die Erklärung so einfach. Sie stammt wortwörtlich vom Bürgermeister eines Dorfes im Funkschatten des Erzgebirges: Wir ham hier geen Indernet! Da wähln de Leude ebend AfD. Gegenprobe: Ich habe Internet und nicht AfD gewählt. Politikanalyse kann so einfach sein.

Die Frage, ob Deutschland und der Welt die dunklen Jahre erspart geblieben wären, wenn es 1933 schon Indernet gegeben hätte, verkneife ich mir an dieser Stelle. Richten wir den Blick besser auf die nach Meinung von immer mehr C-Politikern berechtigten Sorgen besorgter Bürger.

Damit sich der gemeine Protestwähler wieder abgeholt fühlt, geht Satzverstand dorthin, wo der Bus aus Berlin sonst nur vorbeirauscht. Kein Lammern und kein Steinmeiern! Jetzt wird Tacheles geschrieben! Ab sofort schenken wir jede Woche vier besorgten Bürgerinnen und Bürgern ohne Internet- oder Indernetanschluss Raum für ihre Sorgen. Auf geht´s…

Tino Ternewald (61) aus Spreegabelswalde hat AfD gewählt, weil ihm seit dem Auslaufen des elften Probeabos Unbekannte ständig die Lokalzeitung aus dem Briefkasten klauen. „Das müssen Flüchtlinge sein, die wo Deutsch lernen wollen“, ist sich der besorgte Bürger sicher. Bewegungsmelder, Videoüberwachung und verstärkte Streifen der Bürgerwehr haben bisher nicht geholfen. „Und ohne Indernet kann ich ooch geene Onlinezeitung bestellen“, klagt Ternewald.

Karla Wondratschewsik (52) aus Gelsenkirchen hat AfD gewählt, obwohl sie Internet hat. Aber sie hat in ihrem Stadtteil Schalke schon seit Herbst 2015 kein Käuzchen mehr rufen hören: „Inne Ruine vonne Zeche nisten nur noch Schleiereulen.“ Die besorgte Bürgerin fürchtet eine schleichende Islamisierung der Vogelwelt.

Heinz-Ronny Wohlgemuth (36) aus Zwickau hat AfD gewählt, weil er in der Silvesternacht den letzten Zug nach Köln verpasst hat. „Versuchense mol, nach Zehne ohne Indernet ein Onlinedicket von Zwickau nach Göln zu buchen. Aber das indressiert die in Berlin natürlich nüschte“, schimpft der besorgte Bürger.

Bastiane Gäuerle (47) aus Herwigsbrünn im Hochschwarzwald hat AfD gewählt, weil ihr Langhaarteckel Purzele für das Wintersemester keinen Platz in der örtlichen Hundeschule bekommen hat. „Die Anmeldung war nur online möglich, aber i hob kei Internetle. Bei dem angeblich hochbegabten Afghanen aus dem Tierheim haben se natürlich eine Ausnahme gemacht“, ärgert sich die besorgte Bürgerin.

Forsetzung folgt…

Haben auch Sie kein Internet/Indernet und deshalb AfD gewählt? Oder kennen Sie besorgte Bürger ohne Internet/Indernet, die ihre Sorgen mit uns teilen möchten? Scheuen Sie sich nicht, an Satzverstand zu schreiben. Ihre Sorgen sind unsere Sorgen.


© Satzverstand Oktober 2017
     

  1 comment for “Wahlnachsorge (1): Wir geben Ihren Sorgen ein Gesicht!

  1. Wombel
    11. Oktober 2017 at 13:17

    Ist vermutlich auch gar keine Beschwerde, sondern stolzer Hinweis der AfDler, dass sie kein Indernet haben. Wär ja auch noch schöner. Wenn DAS Schule macht, haben sie bald auch ein Chinesennet, ein Syrernet, ein Türkennet hinterm Erzgebirge … oder was? Sollte sich auch nur ein Telekomiker da hinwage, erwartet ihn bestimmt der schrille Chor vorerst arbeitsloser Merkel-Hassknechte: „Hau ab! Hau ab! Hau ab!!!“

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