Nein, ich will keinen Feiertag nachholen!

„Endlich Montag! Endlich wieder Schule!“ Das große Aufatmen in Nordrhein-Westfalen hat in den angrenzenden Bundesländern Niedersachsen, Hessen und Rheinland-Pfalz reihenhausweise Dächer abgedeckt.

Eine lange Woche Pfingstferien liegt hinter uns. Klar, so etwas nimmt man gerne neid- und klaglos auf sich, wenn es gilt, all denen ihre verdienten 75 Tage Jahresurlaub* zu sichern, die damals bei der Berufswahl die Augen aufgehalten haben.

Jetzt aber frisch ans Tagewerk, das Lehrerlohn und Rente sichert. Zur Einstimmung lese ich schnell die in den letzten Tagen aufgelaufenen „Heute im Bundestag“-Nachrichten – der einzig wahre Fundus für echte Politikoholics.

Die AfD will von der Bundesregierung wieder einmal wissen, was und wie viel die Linksradikalen auf dem Kerbholz haben. Normal. Die Grünen wollen im Gegenzug wissen, was und wie viel die Rechtsradikalen auf dem Kerbholz haben.

Aber hier, die Linke: „Feiertage, die auf das Wochenende fallen, sollen an Werktagen nachgeholt werden“, fordert die Fraktion in ihrem neuesten Gesetzesantrag. Gesetzliche Feiertage dienten schließlich nicht nur dem kulturellen Gedenken. Es gehe auch um Erholung, Stressreduzierung und – Achtung Marx-Jubeljahr! – um die Reproduktion der Arbeitskraft.

Bei aller Liebe, liebe Linke: So etwas kann sich nur Eure kinderlos-kommunistische Plattform ausgedacht haben. Bei uns schalmeit am 1. Mai um 6.30 Uhr jedenfalls nicht der Aufruf zur Vereinigung aller Proletarier durchs Haus. Stattdessen erkling durchdringend der internationale Kinderkampfruf „Mir ist laaaaaaangweiiiiiiiiilig!“

Diverse Kniegelenke habe ich mir beim frühsamstäglichen Robben durch Legolandschaften ruiniert. Meine Wirbelsäule hat die Spaßbadrutsche auf dem Gewissen. Wenn Sie jetzt mit mir was Kreatives basteln oder eine Cola-Mentos-Rakete im Wendehammer starten wollen, sollten Sie besser ganz schnell rennen können.

Nein, ich will keinen auf einen Sonntag fallenden Feiertag nachholen! Ich feiere jeden Feiertag, der auf einen Sonntag fällt. Ich will nach einem endlosen Wochenende endlich wieder meine Arbeitsruhe haben.

Außerdem nützt der Linken-Antrag wieder mal nur den Bayern. Die haben schließlich die meisten Feiertage von allen. Mit schlimmen Folgen für den Rest der Republik: Wer zu viel Zeit hat, kommt auf dumme Gedanken. Muss ich das näher erläutern?

Also, liebe Linke: Wenn Euch am sozialen Zusammenhalt zwischen Eltern und Kindern** gelegen ist, zieht Euren Antrag flott zurück und verbietet stattdessen diese verdammten Brückentage, die ohne rot zu werden als „bewegliche Feiertage“ durch die Schulkalender tingeln.

© Satzverstand 28. Mai 2018

 

* 75 Ferientage hat jedes Bundesland pro Schuljahr. Fallen Feiertage in die Ferien, werden sie nicht mitgezählt. 2017 sind in NRW Allerheiligen und der einmalig schulfreie Reformationstag in die Herbstferien gefallen. Zudem waren der erste und zweite Weihnachtstag sowie Neujahr Wochentage, die in den Weihnachtsferien lagen. Die fünf Tage wurden addiert und durch eine Woche Pfingstferien nachgeholt. Damit gilt in NRW im Prinzip bereits das von der Linksfraktion vorgeschlagene Gesetz. 

** Als Kinder im Sinne dieses Beitrags gelten ausschließlich präpubertäre Sprößlinge. Fachliteratur und Eltern im Besitz teil-, voll- oder spätpubertärer Teenagern berichten, dass der Nachwuchs ganze Sams- und Sonntage verschlafe und sich jeglicher Kommunikation verweigere. Ich kann vor Vorfreude kaum noch schlafen.

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