Deutsch für Sprayende (1)

Allenthalben klagen Lehr- und Elternpersonal über die tiefen Krater der Corona-Einschläge in der Bildungslandschaft. Längst zeigen sich bröckelnde Rechtschreibkünste auch im öffentlichen Raum. Vielen Sprayerinnen und Sprayern fällt es zunehmend schwer, gesellschaftlich wertvolle Empfehlungen orthografiesicher an die Wand zu bringen. So auch bei dieser auffordernden Sozialkritik in Lackdosenwurfweite zur Bonner City.

„Monty Python“-Fans erinnern sich, dass Zenturio John Cleese den lateinschwachen Brian einst in Jerusalem 100 Mal den korrigierten Imperativ „Römer, geht nach Hause!“ an die Stadtmauer pinseln ließ. So streng wollen wir nicht sein, zumal es  – abgesehen vom Platzmangel – wenig sittlichen Nährwert hätte, 100 Mal „Bewege deinen Arsch!“ zu lesen.

Belassen wir es deshalb bei einem kurzen Trip in die deklinierende Welt besitzanzeigender Pronomen:

  • Nominativ: Das ist dein Arsch, der sich bewegen soll.
  • Genitiv: Ich freue mich über eine schnelle Bewegung deines Arsches.
  • Dativ: Bewegung geht deinem Arsch wohl an sich selbst vorbei.
  • Akkusativ: Bewege deinen Arsch!

Nichts zu danken.

Schlussbemerkung: Persönlich bin ich ein unverbesserlicher Anhänger höflicher Großschreibung beim ansprechenden Fürwort. Im aktuellen Zusammenhang wäre das jedoch wenig feinfühlig. Und den fehlenden i-Punkt werte ich wohlwollend als bewussten künstlerischen Minimalismus unter erheblichem Beobachtungsdruck.