Endlich mal ein echtes Schaltjahr!

(03.04.17) Eine Woche lang hat mein Biorhythmus mit dem Stundendiebstahl gekämpft. Die Zeitumstellung bringt nichts, nervt alle und lässt die Kühe durchdrehen. Trotzdem ist ein Brexit einfacher zu bewerkstelligen als das Abschalten der Sommerzeit.

Wenn wir wirklich Energie sparen wollen, ist eine einzelne Stunde Lullifatz. Warum es nicht mal konsequent angehen? Mein Vorschlag: Wir stellen die Uhr am nächsten dritten Samstag im März um ein ganzes Jahr vor. Weltweit. Selbst Hein Blöd kann ausrechnen, dass wir uns locker im Trillionenbereich bewegen, wenn siebeneinhalb Milliarden Erdlinge ein Jahr lang keinem Strom verbrauchen, keinen Diesel durch gefälschte VW-Systeme jagen und zwölf Monate lang die Outlet-Center der Waffenschmieden geschlossen bleiben. Ganz abgesehen von der Energie, die erhalten bleibt, wenn sich Eltern ein Jahr lang nicht die Köpfe über den Hausaufgaben ihrer Sprösslinge zerbrechen müssen.

Biorhythmisch wäre ein echtes Schaltjahr der Hit: Stundentechnisch bleibt alles beim Alten und beim Aufwachen fühlt man sich gleich ein ganzes Jahr jünger. Der Evolution wird es nach vier Milliarden Jahren Vorlauf wohl kaum auf ein Jährchen ankommen. Zumal es bis zur planmäßigen Implosion unseres Sonnensystems noch ein paar Brückentage hin sein dürften.

Wenn es gut läuft, sollten wir dann 2019 gleich zwei Jahre vorstellen. Wir könnten dann nicht nur doppelt so viele Trilliarden auf die hohe Kante legen, sondern wären auch Gevatter Trump früher wieder los – vorausgesetzt, die dafür zuständigen Wähler in Übersee sparen nicht ein zweites Mal am Verstand.

Die Idee macht natürlich nur Sinn, wenn wir das Sparjahr im Oktober nicht wieder zurückstellen. Obschon ich mir vorstellen kann, dass die Rechtsracker von der AfD fordern werden, das Rad bei dieser Gelegenheit mindestens acht Jahrzehnte zurückzudrehen. Deshalb sollten wir die Zeit besser gleich um ein halbes Dutzend Jährchen vordrehen. Dann weiß beim Aufwachen keiner mehr, dass es da mal eine Frauke mit Storch und einen Geschichtevergessenlehrer Björn „Bernd“ Höcke gab. Wenn das kein guter Grund ist! Geich morgen bringe ich das mal in Brüssel vor. Irgendwo habe ich noch die Telefonnummer.

(© Satzverstand April 2017)


PS: Zu meiner Erstkommunion habe ich von Familie S. einen grünen Electric-2000-Wecker geschenkt bekommen. Der schnurrt bis auf sechs oder sieben Stromausfälle seit 1976 durch. Verlässlich wie ein Döppken, Hartplastik gewordenes „Made in Germany“ der Traditionsfirma Staiger aus dem Schwarzwald. Diesen Wecker habe ich aus westostwestfälischer Bockigkeit seit 1980 noch nie auf die Sommerzeit umgestellt. Wenn ich heute meine Eltern besuche, kontrolliere ich immer als erstes, ob der Wecker in meinem alten Kinderzimmer auch wirklich die ehrliche Zeit zeigt. Macht er.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.