Die Rache der Steinlaus

(20.03.17)  Glauben Sie mir: Es hat mich einige Überwindung gekostet, das abgebildete Buchcover (Verlagsfoto LangenMüller) in diesen Text einzubauen. Dass alternde Schauspielerinnen ihre Rente mit einem „lustigen“ Katzen- oder Hundebuch aufbessern – geschenkt. Dass es, wie originell, ein Buch über Möpse sein muss – auch geschenkt. Aber dass die Autorin die bodenlose Frechheit besitzt, ihre Möpse Vicco und Loriot zu nennen, reicht auf der nach oben offenen Frevelskala an die Sprengung der Buddha-Statuen in Bamiyan heran.

Als mir dieses Machwerk neulich in einer Buchhandlung in Steinfurt ins linke Auge stach, war ich nahe davor, mein ewiges Gelübde zu zu brechen, niemals im Leben Facebooktology beizutreten. Zu gerne hätte ich einen gewaltigen Shitstorm gegen die Autorin losgetreten, die das Andenken des MEISTERS in den Schmutz zieht. Nur gut, dass ER das nicht mehr erleben muss.

Aber mein Gelübde hält. Für kurze Zeit darf man Blutdrucksenker ruhig mal überdosieren. Und nachdem ich nicht mehr schnappatme, ist mir klar geworden, dass LORIOT seine lieben Mitmenschen viel zu gut kannte, als dass er sich auf solcherlei Trittbrettfahrer nach seinem Tod nicht listig vorbereitet hätte.

Die Kulturbeflissenen unter uns erinnern sich, dass Loriot 1976 den TV-Tierfreund Prof. Berhard Grzimek parodierte und uns die possierliche Steinlaus als kleinsten Nager der Welt präsentierte. Seitdem wird allerlei Kult und Schabernack rund um die Steinlaus getrieben. Doch nur wenige Eingeweihte wissen, dass Loriot ausgerechnet im Fall der Steinlaus keinen Unsinn verzapft hat. Der unsterbliche Vicco von Bülow ist leider am 22. August 2011 in eine andere Dimension des Humors gewechselt. Aber die Steinlaus lebt!

Selbstverständlich ist die Petrophaga lorioti eine künstlerische Überzeichnung. Aber das leibhaftige Vorbild für seine Steinlaus hüpfte Loriot im Spätsommer 1975 bei einem Besuch des Naturkundemuseums Alexander König in Bonn vor die Füße. Der Meister stieß damals durch reinen Zufall zu einer handverlesenen Gruppe von Menschen, die von der Existenz dieses gefrässigen Nagers wissen – und eisern schweigen. Bis heute müssen Biologen, Geologen, Zoologen und Statiker, die an und mit der echten Steinlaus forschen, einen heiligen Eid schwören, nichts und Niemandem von ihrer Arbeit in den Katakomben des Bonner Naturkundemuseums zu erzählen.

Die Grzimek-Parodie und die „Erfindung“ der Steinlaus durch Loriot war damals nichts anderes als ein großartig gelungenes Ablenkungsmanöver der geheimen Steinlaus-Gesellschaft (GSG). Eine so maßlos überzeichnete Geschichte kann ja einfach nicht stimmen. Sehr schlau. Denn die GSG will eines um jeden Preis verhindern: Dass die Steinlaus in falsche Hände fällt. Die Steinlaus in den Händen von Baukonzernen, Betonmischern, Städteplanern oder Bündnis90/Die Grünen – das wäre ja, als wenn man Donald Trump die Hoheit über Atomwaffen geben würde.

Sie könnten sich jetzt fragen, woher ich das wissen will und warum ich es hier öffentlich mache. Nun: Wer das Museum König mit einem Neunjährigen voller Forscherdrang besucht, der dringt auch schon mal in Kellerecken vor, die eigentlich nicht für Besucher geöffnet sind. Und Steinläuse lassen sich wirklich ganz, ganz schlecht im Zaum halten. So sind wir seit ein paar Monaten glückliche Halter eines munteren Steinlauspärchens. Die beiden fühlen sich wohl in unserem Steingarten und vermehren sich eifrig. Dagegen sind Kaninchen wirklich Waisenknaben.

Mir ist klar, dass dies alles kein Zufall ist. Es war Fügung. Ein übersinnlicher Auftrag von IHM. Deshalb habe ich am vergangenen Sonntag als erste Warnung an gewisse Mopsbuchschreiber einen Ausflug mit unseren Steinläusen unternommen. Sie sind sehr gerne an der frischen Luft. Die macht hungrig. Die lustigen Fotos habe ich bei unserem Picknick gemacht. Steinläuse lieben es, Buffet-Fotos zu posten. Da sind sie ganz Mensch.

Zeitung, Fernsehen und Radio haben selbstverständlich von einer geplanten Sprengung des Bonn-Centers geschrieben und gesprochen. Woher sollten sie es auch anders wissen. Aber Sie, meine Lieben, kennen jetzt die Wahrheit. Sie werden sich hoffentlich jegliche Mopsbuchambition verkneifen – wenn Ihnen Ihr Dach über dem Kopf lieb ist.

(© Satzverstand März 2017)

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