Astro-Alex-Experiment: Schwerelose Rüben haben weniger Kalorien

Zuckersüßes ohne Reue genießen? Das könnte schon bald möglich sein. Denn eines der vielen hundert Experimente von Alexander Gerst („Astro-Alex“) in der Internationalen Raumstation ISS beschäftigt sich mit der Kalorienreduzierung bei Zuckerrüben in der Schwerelosigkeit.

„Die ersten Ergebnisse sind sensationell“, berichtete Prof. Erwin D. Drüggelte vom Agrarastrophysikalischen Institut an der Westostwestfalenuniversität Mönninghausen-Bönninghausen (WOWUMöBö) bei einer Pressekonferenz im Raumkontrollzentrum Obermarsberg am 13. Juni.

Erste Runkel im Weltall stammt aus Mittelhausen

Drüggelte koordiniert in enger Zusammenarbeit mit der Europäischen Weltraumagentur ESA die Zuckerrübenforschung an Bord der ISS. Die erste Runkel im Weltall stammt aus der Soester Börde. „Sie wurde auf dem Acker von Biolandwirt Heinz-Holger Laubenkempermeyer bei Mittelhausen von der Aussaat an sorgfältig auf ihren Einsatz im All vorbereitet“, erläuterte der Agrarastrophysiker.

Chlorophyll-, Wasser- und Zuckergehalt der Forschungsrübe werden von der ISS kontinuierlich an die Ackerbodenstation in Mönninghausen-Bönninghausen übermittelt. „Die ersten Daten belegen, dass eine schwerelose Rübe bis zu zwei Drittel ihres Brennwertes verliert“, so Drüggelte. „Auf der Erde hat eine Zuckerrübe im Schnitt 43 Kilokalorien oder 180 Kilojoule pro 100 Gramm. Auf der ISS waren es heute Vormittag nur 14 Kilokalorien – bei gleichbleibendem Süßegeschmack. Das ist wirklich Wahnsinn!“

„Gesunde Weltraumrübe“

Teilfinanziert wird das ISS-Rübenprojekt durch die Landwirtschaftskammer Westfalen-Lippe. Aus deren Sicht verspricht die „gesunde Weltraumrübe“ Rettung aus höchster Not. Denn das heimische Agrarprodukt steht mächtig unter Druck. Billiger Zuckerrohrzucker aus Übersee und hyperventilierende Adipositasphobiker kratzen an Ertrag und Image.

„Die Weltraumforschung wird für ein Rüben-Revival sorgen“, ist sich Prof. Drüggelte sicher. Der Wissenschaftler und sein Team arbeiten bereits an konkreten Konzepten, wie die Zuckerreduktionsrübe in der Soester Börde unter Bedingungen der Schwerelosigkeit angebaut werden kann. Im Gespräch sind Megadruckkammern in den reichlich vorhandenen Kalksteinbrüchen der Region.

Einzelheiten will das Agrarastrophysikalische Institut der WOWUMöBö allerdings erst nach der Rückkehr von Astro-Alex von der ISS gegen Ende des Jahres bekannt geben. Alternativ – so viel ist bereits durchgesickert – loten die Wissenschaftler auch die Möglichkeiten eines Rübenanbaus im All selbst aus. „Sollten dazu keine eigenen Erdumlaufbahnen zur Verfügung stehen, bieten sich Schwarze Löcher als Anbauflächen an“, erklärt Prof. Drüggelte. Und lacht: „Wer weiß, vielleicht bieten sich am anderen Ende der Schwarzen Löcher ja sogar neue Märkte für die Weltraumrübe.“

© Satzverstand, 13. Juni 2018

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