Jetzt hilft Frau Klöckner nur noch Rot-Grün-Sehschwäche

 

An unseren Urlaubsküsten steigt der Wasserspiegel, weil sich immer mehr Übergewichtige in die Wellen stürzen.

Und was macht Julia Klöckner?

Tapfer kämpft die Ernährungsministerin weiter gegen den Nutri-Score und jede Pflicht zur verständlichen Kennzeichnung von Fett in den Möhren, Zucker im Meersalz oder Salz in der Zuckerwatte – obwohl einige große Lebensmittelhersteller wie Nestlé oder Iglo schon von sich aus auf die Farbskala Nutri-Score umsteigen.

Die Organisation Foodwatch hat gerade eine Umfrage veröffentlicht, nach der hierzulande die meisten Menschen diesen Nutri-Score gut finden. Julia Klöckner darf den aber nicht gut finden, weil ihn der deutsche Lebensmittelverband und die Zuckerproduzenten nicht gut finden.  Jetzt soll eine Meinungsumfrage entscheiden. Die Ergebnisse sollen bis Ende September veröffentlicht werden.

„Was machen die Salz-Zucker-Fett-Fetischisten bloß, wenn der Nutri-Score gewinnt?“, frage ich mich in meinen „rezeptfreien Anmerkungen zur Gesundheitspolitik“ für das AOK-Magazin G+G-Digital:

 

 

 

Gesundheit zusammen!

Im Urlaub war ich auf Borkum. Das mit dem Klimawandel sehe ich jetzt etwas anders. Klar, die Polkappen schmelzen, weil wir alle zu viel fahren, fliegen oder heizen. Aber für den steigenden Wasserspiegel gibt es noch einen anderen Grund: Übergewicht.

Wenn sich an den Küsten Tausende wohlbeleibte Urlauber in Watt und Wellen stürzen, schwappt in Hamburg bereits das mittlere Hochwasser durch die Elbphilharmonie. Längst gibt es im Sommer an der Nordsee dreimal so oft Flut wie im Winter.

Laut Robert-Koch-Institut sind bei uns fast 70 Prozent der Männer und mehr als die Hälfte der Frauen übergewichtig. Auch ich habe längst meinen Body-Maß-Index gesprengt. Doch wie viele Jugendliche und selbst kleine Knirpse bei uns inzwischen körpereigene Rettungsringe ins Wasser wuchten, das hat mich echt erschreckt.

Wie komme ich jetzt auf Juli Klöckner? Ach so: Die Sache mit weniger Salz, weniger Fett und weniger Zucker im Fabrikessen. Halb Europa, die SPD, Food-Watch, Mediziner, die AOK und die Grünen sowieso sitzen der armen Julia im Nacken. Die Bundeslandwirtschaftsministerin soll endlich eine verständliche Lebensmittelkennzeichnung einführen.

Da gibt es ein Modell, das funktioniert. Der Nutri-Score. Ein Farbsystem mit fünf Stufen von Rot bis Grün. Einfach und einleuchtend. Es hilft nach Ansicht von Präventionsexperten vor allem denen, die besonders anfällig für Fehlernährung sind.

Nur dem Verband der deutschen Lebensmittelindustrie leuchtet der Nutri-Score partout nicht ein. Die Lobbytruppe hat deshalb ein eigenes System entwickelt. Das ist aber so kompliziert, dass selbst Frau Klöckner es nicht versteht. Sie hat deshalb auch ein System entwickeln lassen. Ausgerechnet von den Wissenschaftlern, die eigentlich den Nutri-Score super finden.

Gerade lässt die Ministerin Meinungsforscher herausfinden, welches Modell denn die Menschen am besten finden. Damit der Nutri-Score nicht haushoch gewinnt, hat sie aber noch ein viertes Modell – eines aus Schweden – ins Rennen geschickt. Ende September will die Ministerin das Ergebnis verkünden.

Wenn trotz aller Anstrengungen der Zuckermafia der Nutri-Score gewinnt, bleibt der Lebensmittellobby nur noch ein letzter Joker: Menschen mit Rot-Grün-Sehschwäche könnten an der Nährwertampel scheitern. Da sollen schon Daten in der Schublade liegen…

Nur so nebenbei: Bundesforschungsministerin Anja Karlicek bewirbt gerade intensiv eine neue App. Zitat: „Die nutriCARD-App basiert auf der Nährwert-Ampel Nutri-Score. Sie liefert genaue Daten zu Inhaltsstoffen, Nährwerten und bedenklichen Zutaten von Lebensmitteln (…). Eine leicht verständliche, fünfstufige Farb- und Buchstabenskala bewertet die Lebensmittel auf Basis wissenschaftlich fundierter Algorithmen.“

Ein „Like“ von der Julia hat die Anja für die neue App noch nicht bekommen.

Gute Besserung!

 

„Rezeptfreie Anmerkungen zur Gesundheitspolitik“ – Alle Audios und Videos


© Satzverstand – 02. September 2019

 

 

Untendrunter bemerkt: Nach einer Meldung im Deutschen Ärzteblatt vom 27. Augst 2019 könnte die Nutri-Score-Kennzeichnung Todesfälle reduzieren. Wissenschaftler in Frankreich haben ausgerechnet, dass das Nährwertlabel die Kalorienaufnahme der Bevölkerung um neun Prozent senkt. Bereits dadurch könnten jedes Jahr Tausende Todesfälle durch ernährungsbedingte Krankheiten vermieden werden.

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