Das war 2018 – der große Satzverstand-Jahresrückblog

Was ist schon ein Jahr auf dem langen Weg der Milchstraße zur Kollision mit unserer Nachbargalaxie Andromeda in vier Milliarden Jahren. Trotzdem haben wir auch 2018 mit den Wochen liebgewonnen. Zum Abschied schenken wir dem alten Jahr deshalb einen satzverständigen Rückblick auf emotionale Höhepunkte und dramatische Nebensächlichkeiten:

 

Januar

Gleich zu Jahresbeginn deckt Satzverstand die große Heizdecken-Verschwörung auf. Ausgerechnet das traditionsverliebte Bayern will uns den Kauf von Heizdecken bei Kaffeefahrten verbieten. Aus purer Angst vor der anstehenden Landtagswahl. Denn nach einer Studie der Earl-Grey-Stiftung ist ein Heizdeckendefekt bei älteren CSU-Wählern die dritthäufigste Todesursache – noch vor Mord oder Totschlag, Wilderei und Schneelawine. Parteichef Seehofer erklärt die Heizdeckenfrage zur Mutter aller Probleme.

Mitte des Monats vergibt ein gewisser Donald J. Trump in Washington D.C. (USA) die Fake News Awards. Satzverstand ist nicht einmal nominiert. Sauerei! US-Korrespondent Erwin D. Drüggelte überbringt die Protestnote der Blogleitung: We know that you informe yourself about Germany always well by the serious Postillon-News and the half-silken BILD-Newspaper. But why do you ignore Sentencemind? We can that totaly not understand.“

Ende Januar schockt der Gemeinsame Bundesauschuss (G-BA) die Versorgungsberechtigten der Medizinklasse II. Das oberste Entscheidungsgremium von Ärzten, Klinken und Krankenkassen hat beliebte Kalendersprüche prüfen lassen. Danach ist die Aussage „An apple a day keeps the doctor away“ nicht länger haltbar. Der G-BA beschließt eine Skala, nach der Apfelgröße und -gewicht der zu vermeidenden Facharztgruppe angepasst werden. Die GKV-Facharztapfelverordnung 2.0 tritt am 14. März mit Amtsantritt der neuen GroKo in Kraft.

Februar

Der Monat beginnt tierisch. Die Alternativdeutschen wollen den Familienrudelnachzug von Wölfen aus Osteuropa auf absolute Härtefälle begrenzen. Das betrifft Tiere, deren Vorfahren genetisch nachweisbar Intimkontakt mit mindestens einem deutschen Hund (Canis lupus germanicus) hatten. Der Monat endet ebenso tierisch: In Westostwestfalen setzen Klimaforscher jetzt auf die meteorologische Expertise von Erdmännchen. Die possierlichen Tiere der Gattung Suricata suricatta westfalica gelten als klimapolitisch unvoreingenommen und wissenschaftlich unbestechlich.

März

Das Land taumelt am Rande des Dieselzusammenbruchs. Satzverstand-Agrarverkehrsexperte Erwin D. Drüggelte präsentiert die Lösung: City-Treckering! Land- und forstwirtschaftliche Zugmaschinen dürfen ohne Plakettenzinnober durch jede Umweltzone brettern. Ein City-Trecker light mit einfacher Einkaufstaschenaufhängung ist auch für kleinere Geldbeutel erschwinglich. Wer nach Bauernbrauch konsequent Heizöl statt Diesel tankt, holt dank niedriger Verbrauchskosten den Anschaffungspreis schnell wieder rein

April

Nach dem Skandal um die ECHO-Verleihung an die Rapper Kollegah und Farid Bang gibt auch die Schluchztalwand im südlichen Westostwestfalen ihr Echo zurück. Kritiker werfen der höchsten Erhebung Westostwestfalens jedoch vor, es gehe ihr nur darum, Aufmerksamkeit zu erregen. Denn das Echo der Schluchztalwand gilt schon seit der Entstehung vor rund 3,3 Millionen Jahren als äußerst kläglich.

Die EU ringt sich am 27. April endlich dazu durch, den Einsatz besonders bienenschädlicher Gifte im Freiland zu verbieten. Ein anderes Problem ignoriert die EU ungerührt: Die Lochpreisbremse für Insektenhotels zieht nicht. „Das trifft vor allem saisonal selbstständige Bienen, die häufig über lange Strecken zwischen Wohnort und Bestäubungsstätte pendeln und auf günstige Zwischenübernachtung angewiesen sind“, sagt Erwin D. Drüggelte vom Verband westostwestfälischer Insektenhotelbetreiber (VwowIHB).

Mai

Deutschland feiert Karl Marx. Leider den falschen. Einzig Satzverstand erinnert an den unvergessenen echten Marx Karl. Trotz Namensgleichheit waren sie immer leicht zu unterscheiden: Karl Marx hat `Das Kapital´geschrieben, Marx Karl hatte das Kapital unter der Matratze.

Nach den Alternativdeutschen entdecken auch die Liberalen den Wolf als Sorgentier. Die FDP-Fraktion will von der Bundesregierung wissen, ob Kinder noch alleine im Wald spielen sollten. Die Staatssekretärin im Bundesfamilienministerium, Herlinde Grimmjacob, reagiert fassungslos: „Es ist mir unbegreiflich, wie die FDP auf die Idee kommt, deutsche Kinder könnten sich ohne Begleitung der Eltern im Freien aufhalten und dort gar ohne Aufsicht spielen. Da könnte man ja gleich auf die Idee kommen, sie alleine zur Schule gehen zu lassen.“

Die Opposition wirft der Bundesregierung vor, sie werfe Geld zum Fenster raus. Laut Regierungssprecher Steffen Seibert handelt es sich um ein einmaliges Versehen. „Die Zugehfrau der Bundeskanzlerin, Frau Kasemattowski, hat Ende April beim Frühjahrsputz aus Versehen etwa 5,4 Millionen Euro in kleinen Scheinen zum Dachfenster hinausgeschrubbert“, sagt Merkels Sprecher im Satzverstand-Interview.

Die neue EU-Datenschutzverordnung ist der Aufreger des Monats. Auch Satzverstand stellt die Datenschutzbestimmungen um. Alle Nutzerdaten werden abends auf einen Stick gezogen, unter einen erdbebensicheren Blumentopfuntersetzer geklebt und in täglich wechselnden Gärten der Nachbarschaft verschüsselt.

Juni

Die USA führen Strafzölle auf Stahl ein. Im Handelsstreit steht Westostwestfalen (WOW) eng an der Seite der EU. Rund 8,88 Millionen Hektar Maisanbaufläche werden in Ackerflächen für den Erdnussanbau umgewidmet. Das Börde-Peanuts-Programm soll die Region dauerhaft von US-Erdnussimporten unabhängig machen. Als Anbauanreiz für heimische Landwirte werden Erdnüsse von der Knabbersteuer befreit.

Astro-Alex ist wieder im All. Diesmal hat er auch eine Zuckerrübe an Bord. Im Auftrag des Agrarastrophysikalischen Instituts der Westostwestfalenuniversität Mönninghausen-Bönninghausen (WOWUMöBö) analysiert Gerst den Einfluss der Schwerelosigkeit auf den Kaloriengehalt der Rüben. Die erste Runkel im Weltall wurde auf dem Acker von Biolandwirt Heinz-Holger Laubenkempermeyer bei Mittelhausen auf ihren Einsatz im All vorbereitet.

Bei der Fußballweltmeisterschaft in Russland toppen Jogis Jungs die Schmach von Cordoba 1978. Mehr ist dazu nicht zu sagen.

Tolle Aktion zum 70. Geburtstag der D-Mark: Die Landeszentralbank Westostwestfalen schenkt ihren Kundinnen und Kunden am 20. Juni satte 70 Prozent Jubelrabatt auf alle Banknoten. Zusätzlich gibt es 70 Prozent auf bereits reduzierte Münzen. Am Ende des Aktionstages hat die Bank exakt 3.157.897,44 Millionen Euro für beeindruckende 947.369 Euro verkauft.

Juli

Im Juli ist nichts los? Denkste. Eine bescheidene Baustelle in Bonn entwickelt sich zur Sensation. Sackgassen-Freunde aus ganz Deutschland wollen wissen, ob die Messdorfer Straße zwischen den Ortsteilen Dransdorf und Lessenich tatsächlich gesperrt ist. Zunächst sind die Anwohner genervt. Doch dann entdecken sie die Möglichkeiten, ihr Glück durch den Verkauf von Bratwurst, kalten Getränken und Eis an Tagestouristen zu machen. Leider stoppt ein missgünstiger Anrainer mit seinem Plakat „Es ist wirklich gesperrt!!!“ hochfliegende Pläne für einen Sackgassen-Holidaypark.

August

Im Schatten der Mondfinsternis spielt sich über Westostwestfalen ein seltenes Naturereignis ab. Wissenschaftler der Astrogymnastischen Fakultät der Universität Mönninghausen/Bönninghausen (UMöBö) dokumentieren den Westfälischen Tanzmond. Dieses Phänomen ereignet sich nur alle 226 Jahre. Der Tanzmond ist mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Lunarmobiologe Prof. Erwin D. Drüggelte hat für das Astrospektakel eigens eine Spezialkamera entwickelt. Am 8. August werden die ersten Bilder veröffentlicht.

Bis zum Milchkannen-Internet-Interview von Forschungsministerin Anja Karlicek sind es noch ein paar Wochen hin. Doch im Ostseebad Kellenhusen wird bereits ein Leben ohne 5G erprobt. Dort gibt es auch kein 4G, kein 3G, kein 2G und kein 1G. In Kellenhusen wird der digitale Mensch komplett auf sein analoges Ich zurückgeworfen. „Ohne Netz in Kellenhisen“  – unser schönstes Ferienerlebnis.

September

Die Stadt Basel wird seit drei Jahren regelmäßig von deftigen Erdstößen erschüttert. Ein interdisziplinäres Team aus Geo-, Theo- und Politologen löst schließlich das Rätsel: Der große Humanist und Weltgelehrte Erasmus rotiert pausenlos in seinem Grab im Basler Münster, weil die Alternativdeutschen seinen Namen und seine Ideale für ihre Parteistiftung missbrauchen.

„Macht die AfD nicht so groß!“ fordert Alard von Kittlitz in der ZEIT. Recht hat er. Aber einen müssen wir im September noch raushauen: Ab wann ist der Deutsche deutsch? Mit Dr. Christian Blex reiht sich leider ein AfD-Landtagsabgeordneter aus Westfalen in den Schulterschluss von Alternativdeutschen und Pegida in Chemnitz ein. Der Herr Doktor ist der Ansicht, dass Zuwanderer über jahrhundertealte deutsche Wurzeln verfügen sollten.

Hans-Georg Maaßen stürzt die GroKo in die nächste Krise. Satzverstand berichtet als erstes, dass der Verfassungsschutzpräsident in die Wirtschaft wechselt. Der 55-Jährige übernimmt den Vorstandsvorsitz der Dioptrienos AG. Das Unternehmen ist Weltmarktführer für rosarote runde Brillen und beschäftigt elf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den vier Produktionsstandorten in Dresden, Dortmund-Dorstfeld, Chemnitz und Hagen-Haspe. Hinzu kommen bundesweit rund 674 feste freie V-Leute zur Wettbewerberbeobachtung.

Oktober

Dank sei Gates! Der IT-Gott durchschlägt den digitalen Knoten im Gesundheitswesen. Weil Ärzte, Krankenhäuser und Krankenkassen online partout nicht miteinander können, werden jetzt einfach die Patienten digitalisiert. Gesundheitsminister Jens Spahn ist schwer begeistert.

Sorry, doch noch mal AfD: Ein Flusskrebs aus dem Migrationsuntergrund frisst heimischem Getier frech das Futter weg. Ideologisches Pech nur, dass Kaliko und Kalika nicht aus dem Morgenland über deutsche Grenzen ins Abendland gekrebst sind. Der Scheren-Schurke schickt sich an, Gevatter Isegrimm von Platz 1 der Problembär-Liste zu verdrängen.

November

Die FDP kann mehr als Wolf. Auch Weltraum. In einer kleinen Bundestagsanfrage will die Magentafraktion wissen, ob die Bundesregierung ein nationales Weltraumgesetz plant. Denn bisher sind wir ein Volk ohne Weltraum. Selbst Luxemburg hat 2017 ein eigenes Weltraumressourcengesetz erlassen. Kein Witz. Schneller als die Bundesregierung antwortet Markus Söder: Er kündigt in seiner ersten Regierungserklärung das Weltraumprogramm Bavaria One an. Auch kein Witz.

Dezember

Im Dezember ist nicht nur Schicht im Kohleschacht. Neue EU-Vorschriften zur Geldwäsche treffen das ehrbare kleine und mittelständische Geldwäschereigewerbe ins Mark. Nach dem Beitrag über die Geschäftsaufgabe der Geldwäscherei Siegfried Scheinrein & Töchter häufen sich die nächtlichen Zugriffe aus Panama, China, Bahrain, Indonesien und von der Isle of Man auf die Satzverstand-Website.

Ende des Jahres ärgert sich BILD mächtig, dass auch der SPIEGEL dank Edelfaker Claas Relotius Geschichten erfinden kann. An Satzverstand geht diese Glaubwürdigkeitskrise spurlos vorbei. Denn aus Überzeugung erfinden wir alle Beiträge selbst – auf Ehre und Gewissen. Nicht nur deshalb verleiht die Universität Mönninghausen/Bönninghausen) uns auch für 2019 das Qualitätssiegel für Good-Fake-News. Danke!

Zum optimistischen Schluss die beste Nachricht: Nach einer aktuellen Studie geht 2019 das Leben weiter. Natürlich braucht es für endgültige Aussagen noch Langzeitstudien. Doch erste Indizien sprechen für die Prognose: Die Domain tod.de steht zum Verkauf, ebenso die Webadressen ausdiemaus.de und lebensende.de.

In diesem Sinne: Ein gutes, gesundes und erfolgreiches Jahr 2019 allen Menschen guten Willens!

 

 

© Satzverstand, 31. Dezember 2018

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